Ab heute zieh ich richtig durch!
Lina, 18 Jahre | Als erstes, nachdem ich morgens aufgewacht bin, stehe ich auf und stelle mich vor den Spiegel. Ziehe mein T-Shirt hoch und begutachte meinen Bauch. Ist er dünner geworden? Scheint nicht so! Aber ich habe gestern Sport gemacht… Hat das nichts gebracht? Ich drehe mich zur Seite. Meine Beine gefallen mir. Wenigstens etwas. Ich gehe ins Bad und stelle mich vor den Spiegel. Ziehe mein T-Shirt hoch und begutachte meinen Bauch. Vielleicht lag es ja am Licht. Scheint nicht so, schade. Ich lasse mein T-Shirt fallen und gebe mir ein Lächeln im Spiegel. „Ab heute zieh ich richtig durch“, sag ich mir und verlasse das Bad.
Wie oft am Tag ungefähr stehe ich vor dem Spiegel? Etwa 14-mal. Nicht nur meinen Bauch bewerte ich, sondern auch den Rest. 14-mal am Tag, 98-mal die Woche, 392-mal im Monat und 5110-mal im Jahr. Wieso? Wieso ist es mir wichtig, wie mein Bauch aussieht und dass er dünn ist? Wieso verbringe ich so viel Zeit damit, meinen Körper zu beurteilen? Das ist doch schrecklich, oder? Eigentlich weiß ich, dass ich schön bin. Ich weiß, dass ich nicht super schlank sein muss und dass ich erst recht niemandem gefallen muss. Trotzdem sitzt dieser eine Gedanke so tief in meinem Kopf. Wenn du gemocht werden willst, dann musst du erstmal dünn werden, sonst will dich niemand. Als Teenager habe ich genau solche Sätze gehört und diese Gedanken haben sich bei mir festgesetzt. Wenn ich beliebt und von anderen gemocht werden will, muss ich schön und vor allem schlank sein.
Doch etwas hat meine Sicht auf meinen Körper erheblich verändert. Es gibt jemanden, vor dem ich meinen inneren Kampf nicht verstecken kann. Jemand, der all meine Gedanken sieht und der mich kennt. Dieser Jemand ist Jesus. Jesus ist es schnurzpiepegal, wie ich aussehe, denn ihn interessiert einzig und allein mein Herz. Jesus ist derjenige, der mir Sicherheit gibt und durch den ich mich wunderschön fühlen kann. Wenn ich mich mit seinem Blick betrachte, sehe ich all das, worauf ich bisher mit Tränen der Trauer geblickt habe, mit Tränen der Freude. Ich kann die wahre Schönheit sehen und spüren, die Gott in mich gelegt hat. Die Schönheit, die von innen kommt. Ich weiß, Gott ist der Grund für mein wahres Selbstbewusstsein.
Trotzdem holen mich jeden Tag die Gedanken ein, von denen ich mich verabschieden wollte. Die Sehnsucht danach, dünner zu werden, ist immer noch da und der Glaube daran, dass ich dann erst richtig glücklich sein werde, sitzt tiefer als ich es mir eingestehen will. Es fällt mir schwer, diesen Bereich meines Lebens vollständig an Gott abzugeben, weil ich Angst habe, dass ich dann zunehmen könnte, was völlig absurd ist. Ich weiß, mein Körper ist ein Tempel Gottes (ich liebe diese Bibelstelle) und ich darf mich um ihn kümmern. Ich muss sogar, denn er ist mir ja wichtig. Aber die Frage ist immer, welche Priorität mein Körper für mich hat. Das erste, was ich morgens machen will, ist aufstehen, aufs Klo gehen, die Kerze auf meinem Schreibtisch anzünden und mich von Gottes Wort inspirieren und von seinem heiligen Geist erfüllen lassen. Ich weiß nicht, wie lange es dauern wird, bis ich nicht mehr ständig meinen Körper bewerte, aber ich kann darauf vertrauen, dass Jesus mit mir diesen Kampf führt. Ich muss das nicht alleine durchstehen. Das gibt mir Hoffnung.