Zwei Hände stricken ein Gehirn.

Neue Spuren setzen

Praktische Schritte zur Dankbarkeit

Dass Gefühle, die wir haben, in unserem Körper wahrnehmbar werden und oft durch ihn zum Ausdruck kommen, ist uns vertraut. Wir kennen die Wut im Bauch und die Angst im Nacken, den erhöhten Puls und die schnellere Atmung. Aber ob es auch möglich ist, mithilfe unseres Körpers unser emotionales Empfinden zu regulieren?

Jim Wilder ermutigt im folgenden Text zu einer kleinen körperlichen Übung.

Wachst du morgens mit Angstgefühlen auf? Vergeht die Erinnerung an eine schöne Erfahrung schnell wieder? Wenn ja, könnte es daran liegen, dass dein Gehirn das als „normal“ ansieht. Noch bevor wir unseren zweiten Geburtstag erleben, hat unser Gehirn schon ein Gefühl dafür entwickelt, was „normal“ ist. Alle möglichen Faktoren können zu dieser Entwicklung beitragen:

  • Wenn in unserer Familie eine depressive Grundstimmung ist, wird „depressive Grundstimmung“ ein Teil unserer Normalität
  • Wenn unsere Eltern häufig ängstlich sind, wird Ängstlichkeit ein Teil unserer Normalität.
  • Wenn diejenigen, die uns großziehen, sehr oft ärgerlich sind, wird Ärger und Wut ein Teil unserer Normalität.

Noch bevor wir richtig sprechen können, hat unser Gehirn das als „normal“ abgespeichert. Als Erwachsene versuchen wir vielleicht, gegen die Gefühle von Ärger, Sorgen, Ängsten und dem Ungeliebtsein anzugehen. Aber sie sind Grundtenor unseres Leben geworden. Unser Gehirn findet immer wieder in die alte Spur zurück. Morgens wachen wir unglücklich auf. Wir kehren schnell zu unserem Elend zurück, selbst wenn wir gerade etwas Schönes erlebt haben. Das passiert zwangsläufig, wenn wir nicht anfangen, unser Gehirn auf eine neue Normalität umzuschulen!

Der erste Schritt: Dankbarkeit im Körper spüren.

Dankbarkeit für etwas, das ich erlebt habe; Wertschätzung für eine schöne Erfahrung, die ich gemacht habe – entscheidend ist, dass ich lerne, wie sich das im Körper anfühlt. Nur dann ist sichergestellt, dass die richtigen Teile meines Gehirns zusammenarbeiten (präfrontaler Kortex, anteriores Cingulum und Insula). Hat mein Gehirn einmal verstanden, dass ich diese Gefühle willentlich hervorrufen kann, eröffnen sich mir neue Möglichkeiten.

Der zweite Schritt: Dieses körperliche Empfinden fünf Minuten am Stück aufrechterhalten.

Dazu lege ich mir eine „Bibliothek von schönen Erinnerungen“ an. Ich gebe jeder Erfahrung einen Namen: Sonnenaufgang auf der Insel, Morgenkaffee, Hund Fido am See, Julies Geburtstag. Die damit verbundenen positiven Gefühle kann ich jetzt „am Stück“ länger im Körper spüren, weil ich mir eine Erfahrung nach der anderen abrufe und nochmals mit allen Sinnen in sie eintauche. Wenn ich das für insgesamt mindestens fünf Minuten kann, bekommt mein Gehirn den Eindruck, dass ich das so lange fühlen kann, wie ich will.

Der dritte Schritt: Einen Monat lang dreimal täglich fünf Minuten.

Wenn ich meinen Tag mit Dankbarkeit und Wertschätzung, die ich im Körper spüre, beginne und beende und dann mittags noch eine Dosis davon einbaue, hilft das meinem Gehirn zu begreifen, dass das den ganzen Tag lang möglich ist. Das Wunderbare ist, dass unser Gehirn eine „Lernmaschine“ ist: Wenn es einmal weiß, wie sich Dankbarkeit und Wertschätzung anfühlen, kann es dieses Gefühl aufrechterhalten und zu jeder Tageszeit abrufen. Das Gehirn beschließt: Ich mache das zu meinem neuen Normal!

Dankbarkeit im Körper spüren - wie kann das gehen?

Zum Beispiel beim Morgenkaffee. Ich atme ein paar Mal tief durch und tauche erneut in die schöne Situation ein. Ich genieße sie mit allen Sinnen, als ob sie gerade jetzt wäre: Ich sitze am Fenster, es ist ruhig im Haus. Noch bin ich allein, im Hintergrund höre ich die Geräusche der anderen im Haus. Meine Hände umfassen die Tasse Kaffee, ich spüre die Wärme, die in meinen Körper strahlt, das fühlt sich so gut an. Ah! Ich sehe, wie der Kaffee so wunderbar dampft und der Dampf sich kringelt. Er riecht so herrlich, ich nehme es tief auf. Und es schmeckt so gut! Meine Atmung ist tief und ruhig, meine Schultern entspannen sich. Ich genieße den Moment mit allen Sinnen. Es wird ein guter Tag.

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