Eine Hand berührt ihr Spiegelbild, in einem Spiegel.

Wie siehst du denn aus?

Als junges Mädchen konnte ich jedes meiner Körperteile, von den Zehen bis zu den Haaren, aufführen und sagen, was ich daran schrecklich, unzureichend, einfach mangelhaft fand.

Auf Fotos sah ich immer nur, was bei anderen, insbesondere meiner Schwester, so viel besser gelungen schien. Und wenn es doch mal ein Bild gab, dem ich nicht völlig absprechen konnte, attraktiv zu sein, habe ich es gehütet wie einen Schatz, hätte es aber nie zugegeben. Als ob ich diese Vergewisserung von außen brauchte. In mir gab es nichts, dem ich geglaubt hätte. Spiegel – ganz schlimm. Es gibt Menschen, die haben nicht nur im Bad einen Spiegel, sondern mehrere in der ganzen Wohnung. Wie soll ich mich denn durchs Treppenhaus bewegen, wenn ich mich ständig selbst sehen muss! Am besten nur mit geschlossenen Augen, auch keine empfehlenswerte Taktik.

Eine erste Lektion zu einem gesünderen Umgang mit meinem Aussehen bekam ich, als ich während meines Aupair-Aufenthalts in einer Familie mit mehreren Frauen in meinem Alter lebte. Ich fand, keine von ihnen zeichnete sich durch besonders gutes Aussehen aus. Aber wenn ihnen jemand ein Kompliment machte, dann antworteten sie einfach nur: „Thank you“. Das hat mich nachhaltig beeindruckt, davon wollte ich lernen.

Eine Seelsorgerin sagte mir mal einen anderen Satz, der mir zu denken gegeben hat: Selbsthass ist Gotteshass. Du verachtest, was Gott dir gegeben hat.

Wenn mich heute wieder mal eine Attacke von Nicht-leiden-Mögen packt, dann hilft es mir, mir laut zu sagen: Mit diesem Gesicht, diesem Körper hat Gott dich ausgestattet. Das hat er ganz individuell für dich gemacht und er hat sich was dabei gedacht. Du bist unverwechselbar, das bist du. Dein Aussehen entspricht vielleicht nicht den gängigen (oder gar deinen) Schönheitsidealen, aber es ist deins. Das genügt.

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