Eine Frau sitzt in der Werkstatt und töpfert.

Und Gott formte

Zwischen Erde und Ebenbild

Wie sich das anfühlt, die Hände in der Erde zu haben! Feucht und kühl, weich und formbar, ein Freudenfest für unseren Tastsinn. Aber auch dreckig, ein bisschen klebrig, erdig eben, nicht steril, ganz und gar unmittelbar. So viel Berührung!

Ganz am Anfang der Bibel heißt es: Gott formte den Menschen aus der Erde des Ackerbodens. (Hier wäre Raum, sich das zwei Atemzüge lang bildlich vorzustellen.) Das ist kein Schaffen aus dem Nichts. Nicht wie ganz am Anfang, als Gott sprach: Es werde…! Und es wurde. Nein. Bei seinem Menschen macht er es anders. Keine Fern-Schöpfung. Sondern nahes, direktes, zutiefst verbundenes Formen!

Einen Klumpen lehmige Erde hat Gott ausgewählt, um seinen Menschen zu schaffen. Nicht Marmor oder Ebenholz. Das klingt doch nach einer ordentlichen Portion Bodenhaftung mit einer Prise Ernüchterung. Darin steckt all das, was zu unserem Leben eben auch gehört: Das Gewöhnliche, Alltägliche, das Brüchige und Vergängliche, Schwerkraft und Zerbruch. „Erde zu Erde“ hören wir auf den Beerdigungen. Was ist der Mensch? heißt es in Psalm 8. Aus dieser Erde schafft Gott seinen ersten Menschen.

Bernhard Meuser, katholischer Theologe, schreibt dazu: „Welch eine Revolution unter den Gottesbildern! Rings um Israel saufen die Götter Blut, knechten die Menschen, verlangen ihnen Opfer ab, aber in Israel glaubt man an einen einzigen Höchsten, der sich in den ‚Lehmkloß‘ (Thomas Mann) vernarrt hat, der sich voll Huld (Psalm 130) zu ihm hinabneigt und ihm selbst seine vielen Sünden nicht anrechnet.“

Immer wieder bin ich in der Werkstatt und habe selbst die Hände im Ton. Das sind Momente, in denen ich glücklich bin, über das, was entsteht. Da vergesse ich die Zeit, kann die Hände kaum vom Werkstück lassen, forme, streiche, glätte… und fühle mich fast eins mit dem, was unter meinen Händen entsteht. Und ich schaue es so gern an. Da ist so viel Freude dabei!

In diesen Augenblicken ist mir, als zeigte mir Gott etwas über ihn und seine Schöpferfreude! Mit den Händen im Ton kann ich ein bisschen mehr be-greifen, wie das ist mit Gott und seinen Menschen. Mit Gott und mir.
Wie nah er dem ist, was er schafft! Wie viel Freude und Stolz in seinem Blick liegen muss, wenn er auf seine Geschöpfe sieht! Wie untrennbar Schöpfer und Geschöpf zusammengehören. Und wie sehr ein Geschöpf ein Zeichen, ein Zeugnis, ein Abbild von seinem Schöpfer ist. Wie ein Gefäß, in das die ganze Kreativität des Schöpfers, seine Ideen, Gedanken, Vorstellungen, seine ungeteilte Aufmerksamkeit – und die Fülle seiner Liebe hineingeflossen ist.

Das Geschaffene ist direkter Ausdruck des Schaffenden! Formen aus Erde oder Lehm geht nicht, ohne seinen Fingerabdruck unzählige Male darin zu hinterlassen. Wenn Gott als formender Künstler in der Schöpfungsgeschichte auftritt, heißt das doch, er formt sich selbst in seinen Menschen hinein. Seinen Abdruck, seine Rillen, sein Wesen! Eben SEIN Bild. Sein Ebenbild. Und das nicht irgendwie nur geistig oder geistlich. Sondern ganz physisch, anfassbar, irden.

Und als Gott fertig ist mit Formen, kommt das Beste: Er haucht dem Menschen seinen Lebensatem ein! Es gibt wohl kaum etwas Intimeres, Näheres, Persönlicheres und Existentielleres als den Atem. Gott schnitzt nicht einen neuen Atem für den Menschen, sondern haucht seinen eigenen Atem, sein eigenes Leben in seinen Menschen hinein.

Und mein Atem, den ich in diesem Moment spüre, ist die lebendige Erinnerung an den, der voller Freude auf mein Leben schaut. So wahr ich atme, gehöre ich zu meinem Schöpfer. So wahr ich atme, lebe ich. So wahr ich atme, lobe ich Ihn.

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